{"id":268,"date":"2015-01-19T21:20:09","date_gmt":"2015-01-19T20:20:09","guid":{"rendered":"http:\/\/test.radical-openness.org\/2015\/?p=268"},"modified":"2015-01-19T21:20:09","modified_gmt":"2015-01-19T20:20:09","slug":"im-hollenfeuer-der-hightech-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/research.radical-openness.org\/2015\/im-hollenfeuer-der-hightech-welt\/","title":{"rendered":"Im H\u00f6llenfeuer der Hightech-Welt"},"content":{"rendered":"<p>Tausende Menschen in Ghanas Hauptstadt Accra leben vom westlichen Computerschrott. Sie riskieren Leben und Gesundheit. Eine SZ-Wissen-Reportage.<\/p>\n<section class=\"authors\">\n<div class=\"authorContainer\">\n<div class=\"authorProfileContainer\"><span class=\"moreInfo\"> <strong>Von <span id=\"abbr-mib\" data-abbr=\"mib\">Michael Bitala<\/span><\/strong> <\/span><\/div>\n<\/div>\n<\/section>\n<p>Was f\u00fcr ein elender Ort. Der Rauch hier ist so dicht und schwarz, dass man das Kind zun\u00e4chst kaum erkennt. Je n\u00e4her man ihm kommt, desto mehr tr\u00e4nen die Augen, desto mehr brennt es in der Nase, im Mund und im Rachen. Dann aber sieht man, dass der kleine Junge auf einer M\u00fcllkippe sitzt, auf einem Berg voller Glasscherben und\u00a0Computertr\u00fcmmern.<\/p>\n<p>Er hustet, schaut kurz auf, dann greift er nach einem kinderkopfgro\u00dfen Stein und haut ihn auf den Monitor, der vor ihm liegt. Beim ersten Schlag splittert das Glas, beim zweiten bricht es ein. Und als er den Stein wieder zur Seite legt, flie\u00dft dickes, hellrotes Blut aus seiner rechten\u00a0Hand.<\/p>\n<p>Er wischt sie kurz \u00fcber die dreckige Hose, dann bricht er die restlichen Scherben aus dem Geh\u00e4use. Kwaku Prince Yeboah hei\u00dft der Junge mit der blutenden Hand und dem traurigstarren Blick. Er geh\u00f6rt auf der M\u00fclldeponie hinter dem Agbogbloshie-Markt in Ghanas Hauptstadt Accra schon zu den \u00e4lteren Kindern, er ist zehn Jahre alt, viele sind auch erst f\u00fcnf oder\u00a0sechs.<\/p>\n<h3>Blutende H\u00e4nde sind das kleinste Problem<\/h3>\n<div class=\"ad\">\n<div id=\"iqd_medrecAd\">\n<div id=\"iqd_bottomAd\">\n<div id=\"iqadtile4\" class=\"iqad\" data-adtile=\"4\">\n<p class=\"anzeige\">Anzeige<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Sie zerschlagen Computerbildschirme mit Steinen. Schnittwunden haben sie alle, aber das ist das kleinste Problem. Der gr\u00f6\u00dfte Elektroschrottplatz des westafrikanischen Lands ist eine gigantische Giftm\u00fcllhalde, eine, in der sich Konzentrationen von Blei, Kadmium, Barium, Quecksilber, Chrom, Arsen, Beryllium, bromhaltigen Flammschutzmitteln und anderer Giftstoffe wie polychlorierten Biphenylen oder Chlorbenzol finden lassen, die bis zu 100-fach die Normalwerte\u00a0\u00fcbersteigen.<\/p>\n<p>Wie viele Kinder und Jugendliche schon erkrankt oder gestorben sind, wei\u00df kein Mensch. Sicher aber ist, dass es diesen Ort nicht g\u00e4be, wenn Exporteure in Europa und Amerika ihren giftigen Computerschrott nicht nach Ghana schicken\u00a0w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Oft deklarieren sie ihre Profitgier als Entwicklungshilfe. Wenn nicht gerade der tiefschwarze Rauch ungez\u00e4hlter Feuerstellen alles verh\u00fcllt, dann sieht man die gewaltigen Ausma\u00dfe der Deponie. Tausende Menschen leben von\u00a0ihr.<\/p>\n<p>Ausgeweidete PC-Geh\u00e4use und zersplitterte Bildschirme t\u00fcrmen sich bis zu vier Meter hoch. Der Boden besteht fast nur aus Asche. \u00dcberall liegen Kabel herum, zerbrochene Platinen, Tastaturen, Prozessoren, Transformatoren und Hunderte\u00a0Kothaufen.<\/p>\n<p>Auf Schlamml\u00f6chern und T\u00fcmpeln treiben Flecken, die gr\u00fcn, orangefarben oder blaumetallisch leuchten. Da die Ziegen- und Kuhherden auf der M\u00fcllhalde nichts anderes finden, saufen sie aus grell schimmernden Pf\u00fctzen und fressen ascheverseuchtes\u00a0Gras.<\/p>\n<p>So sieht es also aus, wenn Europa und die USA vorgeben, die &#8220;digitale Kluft&#8221; zwischen der Ersten und der Dritten Welt schlie\u00dfen zu wollen. Rund drei Viertel der Desktops, Laptops, Drucker, Scanner und Kopierer, die als Secondhandware deklariert nach Afrika exportiert werden, sind schlichtweg\u00a0Elektroschrott.<\/p>\n<p>Jedes Jahr, so sch\u00e4tzt das UN-Umweltprogramm, fallen weltweit <span class=\"nowrap\">50<\/span> Millionen Tonnen des giftigen M\u00fclls an, allein in Deutschland sind es rund eine Million Tonnen. Und die Menge nimmt zu. Daf\u00fcr sorgen schon die Hersteller mit immer schnelleren Prozessoren, noch gr\u00f6\u00dferen Flachbildschirmen und leistungsf\u00e4higeren Handys. Mit jeder technischen Neuerung w\u00e4chst der Elektroschrottberg in Afrika, China und\u00a0Indien.<\/p>\n<p>http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wissen\/ghana-im-hoellenfeuer-der-hightech-welt-1.689901<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tausende Menschen in Ghanas Hauptstadt Accra leben vom westlichen Computerschrott. Sie riskieren Leben und Gesundheit. Eine SZ-Wissen-Reportage. 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