{"id":259,"date":"2015-01-06T19:45:19","date_gmt":"2015-01-06T18:45:19","guid":{"rendered":"http:\/\/test.radical-openness.org\/2015\/?p=259"},"modified":"2015-01-06T19:45:19","modified_gmt":"2015-01-06T18:45:19","slug":"elektroschrott-odyssee-nach-afrika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/research.radical-openness.org\/2015\/elektroschrott-odyssee-nach-afrika\/","title":{"rendered":"Elektroschrott: Odyssee nach Afrika"},"content":{"rendered":"<p>Was passiert eigentlich mit unserem Elektroschrott, zum Beispiel einem ausrangierten Fernseher? Er steht beispielhaft f\u00fcr den zivilisatorischen M\u00fcll unserer Zeit \u2013 und f\u00fcr das Thema \u201c<a title=\"Das Gesch\u00e4ft mit dem Dreck: Ist M\u00fcll Abfall oder wertvoller Rohstoff?\" href=\"http:\/\/www.3sat.de\/page\/?source=\/boerse\/magazin\/178707\/index.html\" target=\"_blank\">M\u00fcll: Das Gesch\u00e4ft mit dem Dreck<\/a>\u201c, mit dem wir uns in der kommenden makro-Sendung besch\u00e4ftigen. Ausschlachten, kleinh\u00e4chseln, verbrennen? Lohnt sich das Recycling der Innereien unserer Elektroger\u00e4te?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der Fernseher landet am Ende in Afrika \u2013 meist auf einem gigantischen Schrottplatz, ausgeschlachtet und zerlegt von mittellosen Schluckern, die barfu\u00df und in Lumpen \u00fcber einen verseuchten Schrottplatz stapfen und giftige D\u00e4mpfe atmen. Es sind verst\u00f6rende Bilder. Und sie n\u00e4hren die Frage: Warum liegt der Friedhof f\u00fcr unsere Fernseher igendwo in Afrika und nicht bei uns um die Ecke? Warum bezahlt jemand Geld, um Schrott um die halbe Welt zu karren?<\/p>\n<p><span id=\"more-4048\"><\/span><br \/>\nEs ist eine Frage, die das \u201cFollow the Money\u201d-Team f\u00fcr die Wochenzeitung <a title=\"Die ZEIT\" href=\"http:\/\/www.zeit.de\/index\" target=\"_blank\">Die Zeit<\/a> k\u00fcrzlich in einer <a title=\"Auf der Jagd nach dem Schrott\" href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2014\/31\/elektroschrott-ghana-afrika-accra\" target=\"_blank\">lesenswerten Reportage<\/a> zu beantworten suchte. Mittels Experiment. Ein ausangierter R\u00f6hrenfernseher, funktionsunf\u00e4hig, aber \u00e4u\u00dferlich in Ordnung wir mit einem GPS-Peilsender ausgestattet und auf die Reise geschickt.<\/p>\n<h2>Die Reise beginnt in Hamburg\u2026<\/h2>\n<p>\u2026und sie wird eine Odyssee. Ein Entr\u00fcmpler wird kontaktiert. Er holt den alten Fernseher in der Wohnung ab. Die Abholung ist kostenlos. Ein erstes Zeichen daf\u00fcr, dass ein kaputter Fernseher irgendwie zu Geld zu machen ist. Als n\u00e4chstes f\u00fchrt die GPS-Spur zu einem Schrotth\u00e4ndler in Hamburg. Wie sich herausstellt, zahlt dieser f\u00fcr einen alten Fernseher 2-3 Euro.<\/p>\n<p>Der Schrotth\u00e4ndler verkauft den Fernseher weiter, wie sich sp\u00e4ter herausstellt an einen afrikanischen Import-Export-Unternehmer. Die alte Glotze lagert jetzt in einem Container auf einem ehemaligen G\u00fcterbahnhof in Hamburg. Das Gel\u00e4nde ist vermietet an die deutsche Tochtergesellschaft einer gro\u00dfen niederl\u00e4ndischen Spedition. Die Recherche ergibt, dass der Fernseher f\u00fcr rund 5 Euro weiterverkauft wurde. Der Preis des Ger\u00e4ts hat sich also bereits verdoppelt.<\/p>\n<p>Am Tag 18 meldet der GPS-Sender wieder Bewegung. Der Fernseher steckt jetzt in einem Reedereicontainer auf dem Gel\u00e4nde des Hamburger Hafens und wird auf ein Schiff der japanischen Reederei Mitsui O.S.K. Lines verladen, das unter liberianischer Flagge f\u00e4hrt. Ziel: Afrika. Die Miete eines Containers und seine Verschiffung nach Afrika kosten rund 2000 Euro. Runtergebrochen auf einen einzelnen Fernseher ergibt das etwa 2,20 Euro.<\/p>\n<h2>Zielhafen Accra<\/h2>\n<p>Am Tag 41 meldet sich der GPS-Sender von seinem Zielhafen. Er steht jetzt au\u00dferhalb der ghanaischen Hauptstadt Accra. Dort, so ergibt die Recherche von <a title=\"Follow the Money\" href=\"http:\/\/followthemoney.de\" target=\"_blank\">\u201cFollow the Money\u201d<\/a>, landen jeden Monat rund 500 Container mit ausgangierten Elektoger\u00e4ten. Vor Weihnachten sind es doppelt soviel.<\/p>\n<p>Etliche Tage sp\u00e4ter meldet sich der Peilsender aus den Stra\u00dfen von Accra. Ein Zwischenh\u00e4ndler kauft den pr\u00e4parierten Fernseher und stellt ihn zu etlichen anderen auf die Ladefl\u00e4che seines Kleinlasters. Der Fernseher wechselt den Besitzer f\u00fcr 27 Euro. Und er wird repariert. Denn bald darauf wird er an den Besitzer eines kleinen Gemischtwarenladens im St\u00e4dtchen Dambai verkauft, 350 Kilometer weit im Landesinnern.<\/p>\n<p>Der Fernseher ist jetzt funktionsf\u00e4hig. Der Ladenbesitzer hat ihn vom Zwischenh\u00e4ndler f\u00fcr 70 Euro gekauft. Und weiterverkauft an eine Familie aus der Gegend. Am Tag 77 kauft das <a title=\"http:\/\/followthemoney.de\" href=\"http:\/\/followthemoney.de\/\" target=\"_blank\">\u201cFollow the Money\u201d-Team<\/a> den Fernseher zur\u00fcck. F\u00fcr 100 Euro.<\/p>\n<p>Es ist schon erstaunlich, dass ein alter R\u00f6hrenfernseher in einem armen Land wie Ghana f\u00fcr einen Preis \u00fcber die Ladentheke geht, den im reichen Deutschland niemand je bezahlen w\u00fcrde. F\u00fcr die Menschen in Afrika scheint es trotzdem der einzige (und billigste) Weg zu sein, an einen Fernseher zu kommen. Und der wird repariert, verkauft, verwendet und repariert, verkauft und verwendet bis wirklich nichts mehr damit anzufangen ist.<\/p>\n<p>Zuallerletzt landet er dann zum Beispiel in <a title=\"Elektrom\u00fclldeponie Agbogbloshie (Wikipedia)\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Agbogbloshie\" target=\"_blank\">Agbogbloshie<\/a>, jenem Vorort von Accra, der Synonym ist f\u00fcr jenen ber\u00fcchtigten Friedhof f\u00fcr Elektroschrott, dessen Bilder einem nicht aus dem Kopf gehen.<\/p>\n<p>Dort ist aber nicht Schluss. Denn ein irreparabel kaputter Fernseher wird von den Elendsgestalten von Agbogbloshie f\u00fcr 0,75 Euro gekauft. Sie zerlegen ihn und entfernen alle Metallteile, die sich irgendwie zu Geld machen lassen. Diese verkaufen sie an einen Altmetallh\u00e4ndler. Ein Fernseher ist f\u00fcr etwa 1,25 Euro gut. Das Metall wandert in den Hafen und wird verschifft in jene L\u00e4nder, die neue Fernseher bauen. Und auf dem Weg verdienen Hafenarbeiter, Schiffskapit\u00e4ne, Lastwagenfahrer und Zwischenh\u00e4ndler.<\/p>\n<p><em>Die makro-Sendung zum Thema <a title=\"M\u00fcll: Das Gesch\u00e4ft mit dem Dreck\" href=\"http:\/\/www.3sat.de\/page\/?source=\/boerse\/magazin\/178707\/index.html\" target=\"_blank\">M\u00fcll: Das Gesch\u00e4ft mit dem Dreck<\/a> an diesem Freitag, wie immer um 21.00 Uhr auf 3sat. Und nachher in unserer <a title=\"Mediathek\" href=\"http:\/\/www.3sat.de\/mediathek\/?red=makro\" target=\"_blank\">Mediathek<\/a>.<\/em><\/p>\n<p>(von: http:\/\/blog.zdf.de\/3sat.makro\/2014\/09\/25\/elektroschrott-odyssee-nach-afrika\/)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was passiert eigentlich mit unserem Elektroschrott, zum Beispiel einem ausrangierten Fernseher? 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